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Die Familientrauerbegleitung gestaltet sich in jeder Familie ihren Bedürfnissen entsprechend etwas anders. Nach einem erfolgten Erstgespräch vereinbaren wir einen Termin für die erste Begleitung. Je nach Situation und Wünschen erfolgt diese mit einer Einzelperson (Elternteil oder Kind) oder der ganzen Familie. Im Verlauf der Familientrauerbegleitung zeigt sich, welche Themen bei der Familie gerade aktuell sind. Die Häufigkeit und der zeitliche Abstand bestimmt die Familie.
Wie eine Trauerbegleitung aussehen könnte – Beispiel 1 (fiktiv)
Lotta, 8 Jahre alt hat vor einem halben Jahr ihre Mama verloren. Als ich heute bei der Familie ankomme, ist sie ganz aufgelöst. Sie möchte gerne den Haarreif ihrer Mutter tragen, findet ihn jedoch nirgends in ihrem Zimmer. Gemeinsam durchsuchen wir ihr Zimmer und finden ihn- er ist beim Spielen unter das Bett gerutscht. Lotta sagt, dass sie von nun aus immer alles brav verräumen wird, sie will nichts von Mama verlieren. Sie hat Angst einen Teil von Mama nochmals zu verlieren. Ich schlage ihr vor, dass wir eine Erinnerungsschatzkiste basteln könnten. Darin kann sie alle Erinnerungen an Mama sammeln und hervor nehmen, wenn sie will. L. sammelt Fotos und Gegenstände zusammen, welche sie an Mama erinnern und erzählt dabei, weshalb sie ihr so wichtig sind. Lotta hat nun eine Kiste, welche sie anschauen kann, wenn sie Mama gerade besonders vermisst.
Wie eine Trauerbegleitung aussehen könnte – Beispiel 2 (fiktiv)
Thomas, 46 hat seine Frau vor einem Jahr verloren. Er äussert Unsicherheit, er erledigt alles Anstehende für seine Töchter und den Haushalt. Er habe keine Zeit gehabt bisher, um zu trauern. Seine Tochter Lilian (12J) zieht sich ins Zimmer zurück und schaut stundenlang Fotos von Mama an und weint. Nach einem Jahr sollte sie doch weiter sein und nicht mehr so traurig sein? Die andere Tochter Louisa (5J) ist ein kleiner Wirbelwind, hält die Familie auf Trab und stellt ständig Fragen: „Was passiert nun mit dem Körper von Mama? Fressen sie die Würmer?“ „Warum muss man sterben?“. Gemeinsam, ohne Anwesenheit der Kinder setzten wir uns in Ruhe hin und schauen gemeinsam den Trauerprozess an. Ich zeige anhand eines Modells auf, dass es keine „Reihenfolge“ in der Trauer gibt und kein richtig oder falsch. Zudem thematisieren, wie er die Fragen von Louisa beantworten kann und weshalb es wichtig ist.Thomas kann nun seine eigenen, wie auch die Gefühle und Verhaltensweisen seiner Töchter besser einordnen.
